Naturrecht, ein unbequemer Wegweiser?

Neue Perspektiven für einen alten Bekannten - mit Dr. Andrzej Kuciński
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Jeder von uns macht die Erfahrung, dass er an bestimmten ethischen Maßstäben festhält, deren Befolgung er auch anderen Menschen zumutet. Ohne einen moralischen Grundkonsens ist gesellschaftliches Miteinander unmöglich. Doch bleibt die Frage, was genau zu diesem Grundkonsens gehört, umstritten. Das Christentum hat eine durch die griechische Philosophie erstmalig „erfundene“ Denkfigur des Naturrechts fortentwickelt, profiliert und bis heute als verlässliche Handlungsorientierung durchgehalten. Ist das Naturrecht aber noch aktuell? Kann es im 21. Jh. ein Wegweiser sein? Und sollten seine Inhalte nicht besser angepasst werden?

Folge 6 - Das Leben ist auf etwas aus. Naturteleologie als Voraussetzung des Naturrechts

Das Naturrecht ist eine der entscheidenden Stellen, an denen sichtbar wird, wie sehr die Ethik mit bestimmten ontologischen Voraussetzungen zusammenhängt. So ist es für die Natur des Lebendigen und für ihre ethischen Implikationen wesentlich, dass alles, was im Zusammenhang mit dem Leben steht, eine teleologische Struktur hat, also auf etwas aus ist. Erst recht gilt das für den Menschen, dessen Natur keine Verbindlichkeiten im Bereich von Recht und Moral zulassen würde, wäre sie nur ein Sammelsurium von zufällig zusammengeworfenen Zuständen und Eigenschaften. Die neuzeitliche Abkehrgeschichte von der Teleologie ist durch den Drang zur ungezügelten Naturbeherrschung gekennzeichnet, welche die Zielgerichtetheit des Natürlichen ausgeblendet hat. Nachdem das menschliche Subjekt sich alles Nicht-Menschliche unterworfen hat, droht es selbst zum Opfer seines Beherrschungsdrangs zu werden. Dem wäre die naturrechtliche Selbstzwecklichkeit des Einzelnen entgegenzuhalten.

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